Mir ist gerade ein bisschen langweilig, also habe ich als Gegenmaßname eine kleine Profiltour bei MeinVZ gestartet.

Es ist ja durchaus interessant, was man da so alles in Erfahrung bringen kann. Man kommt Beziehungen auf die Schliche, stöbert Verwandtschaft auf und entdeckt in irgendwelchen riesengroßen Gruppen plötzlich bekannte Gesichter. Ganz zu schweigen von den Informationen, die das Profil selbst und der tolle neue Buschfunk so bereithalten. Ich finde es ja immer wieder faszinierend, was da so an virtuellem Schaulaufen stattfindet.

Natürlich kann so ein Social Networking ein netter Zeitvertreib sein, aber man kann es damit auch ganz schön übertreiben. Manch einer stellt da ja wirklich ein gehöriges Maß an Privatleben zur Schau, so dass man schon fast von Hemmungslosigkeit sprechen könnte. Der Beziehungsstatus wird zum Statussymbol, der die frische Verlobung dokumentiert und dann noch durch entsprechend abgeänderte Interessen untermauert wird. Nun gut, man möchte eben seine Begeisterung mit dem Rest der Welt teilen. Aber vielleicht sollte man auch mal in Betracht ziehen, dass sich der Rest der Welt einfach einen Scheiß dafür interessiert. Und überhaupt… Einfach mal in Erwägung ziehen, dass der Rest der Welt vielleicht anders ticken könnte als man selbst. Wäre ich richtig in Hochform, hätte ich das jetzt noch ein bisschen anders formuliert. Dann hätte ich geschrieben, dass eben nicht jeder eine derart penetrante (und streckenweise auch extrem lächerliche) Selbstdarstellung nötig hat. Auch ohne eine Vielzahl veröffentlichter Talente, Interessen und anderer Lebensmerkmale muss man nicht zwingend ein langweiliger Versager sein. Nur leider scheinen diese penetranten (und streckenweise auch extrem lächerlichen) Selbstdarsteller das nicht immer begreifen zu können.

Mein Profil bei MeinVZ  ist zum Beispiel verhältnismäßig leer. Und selbst wenn ich einen etwas größeren Hang zum Exhibitionismus hätte, würde ich dort niemals die Details meines Liebeslebens breittreten oder mit meiner Karriere angeben. Mal ganz abgesehen davon, dass meine Karriere ein einziges Chaos ist und besser verschwiegen werden sollte. Jedenfalls sagt mein Profil dort so gar nichts über eben jene Dinge aus. Zumindest für mich nicht, für andere offenbar schon. Denn vor geraumer Zeit bemerkte ein Vertreter der o. g. Spezies, dass ich mich ja wohl vom Freund getrennt hätte. Das habe er meinem nicht vorhandenen Beziehungsstatus entnommen, denn eine nicht getroffene Aussage sei ja wohl wirklich unmissverständlich. Sprachs – und widmete sich wieder seinem Wahnsinn. WTF? Wie kommt man auf so absurde Ideen? Sind alle von mir nicht angesprochenen Subjekte automatisch nicht existent? Bin ich zwingend permanent barfuß unterwegs, nur weil ich nie über meine Schuhe rede? Habe ich keine Familie, nur weil ich sie nicht permanent in aller Öffentlichkeit erwähne? Wie auch immer, ich konnte diese Schlussfolgerung einfach nicht nachvollziehen,  ebensowenig wie ich die etwas polterige Reaktion auf mein Unverständnis nachvollziehen konnte. Aber dafür freue ich mich ja immer ganz besonders, wenn mich mal wieder irgendein Kasperkopp besser kennen will als ich mich selber.

Das aber nur mal nebenbei, denn irgendwie muss ich ja schließlich noch die Kurve zum Titel dieses Eintrags kriegen.

Und du verhütest also mit deinem Gesicht?„, so lautete der Name einer von mir aufgestöberten Gruppe. Ein sehr gemeiner, aber wirklich sehr toller Name für eine Gruppe. Wie oft habe ich mich schon in Situationen wiedergefunden, in denen ich genau diese Frage hätte stellen können? Denn mitunter muss man sich ja nun wirklich sehr darüber wundern, was man so an optischer Reizüberflutung geboten bekommt. Natürlich kann nicht jeder Mensch gutaussehend sein, das bin ich selbst auch nicht. Aber trotzdem finde ich, dass man es nicht schlimmer machen muss, als es sowieso schon ist. Selbst die grauseligsten Frisuren können durch regelmäßige Haarwäschen ein wenig deeskaliert werden, eine als ansehnlich empfunde Oberweiter mus nicht als Weltspartrag mit integrierter Fluchtgefahr zur Schau getragen werden und beim Kleidungserwerb sollte man wirklich öfter in den sauren Apfel beißen und eben doch die größere (aber dafür eben passendere) Größe anschaffen. Ich kriege nämlich immer ein bisschen Angst, wenn mir hauteng bestoffte Körpermassen über den Weg laufen. Man sollte doch wohl selbst bei akuter Selbstüberschätzung mitkriegen, dass man in seinem engen Shirt ein bisschen wie ein (gerne auch geringelter / gepunkteter) Buddha aussieht oder dass die fettigen Haare wirklich schon ein bisschen schlimmer am Kopf rumpappen. Sowas geht einfach überhaupt nicht, vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Gerade bei ungewaschenen Haaren frage ich mich dann immer, wie die Leute das aushaten. Ich kriege ja schon einen Rappel, wenn ich es mal erst weit nach dem Mittagessen unter die Dusche schaffe. Nun denn, genug des Meckerns.

Verhütung mit dem Gesicht. Das sollte ich mir merken. Und zu gegebener Zeit mal aussprechen. Kann ja nicht schaden.